Gefunden im Internet

A29 – ein richtig tolles Instrument für den Musikunterricht

Gabriel Imthurn|9. März 2020

Schneller, langsamer, höher oder tiefer. Auf klanglich hochstehendem Niveau wird Musik in realtime angepasst, auch mit 200km/h.

Timestretch
29a.ch/timestretch

Seit einiger Zeit gibt es dieses browserbasierte Werkzeug, zu finden auf der Webseite eines vielseitig interessierten Informatikers. Browserbasierte Timestretch-Webseiten gab es zwar auch vorher schon, aber klanglich waren sie kaum zu gebrauchen. Im vorgestellten Tool können Playbacks auf die eigenen Bedürfnisse ohne Probleme angepasst werden. Wie das Tool entstanden ist, kann im Blog von Jonas Wagner nachgelesen werden.

Funktionen

Um ein Audiofile auf der Webseite bearbeiten zu können, wird ein lokales File in den Speicher geladen, dies ohne Kommunikation mit dem Webserver. Es muss also nichts hochgeladen werden. Dies führt einzig bei iOs-Geräten zu Problemen, da der Zugriff auf lokale Audiofiles nicht möglich ist. (Für einen Hack dazu – siehe unten)

  • Speed: Veränderungen des Tempos
  • Pitch: Veränderung der Tonhöhe in Halbtonschritten
  • Tune: Veränderung der Tonhöhe in Cent
  • Loop: Mit den Klammern kann eine linke und rechte Begrenzung erstellt werden, um einen Teil des Audiofiles in einen Loop zu verwandeln
  • Save: Die angepasste Version kann heruntergeladen werden

Potential für den Unterricht

Der Gebrauch von Playbacks im Musikunterricht kann an vielen Stellen hilfreich sein. Insbesondere finden sich auf Youtube mittlerweile zu den meisten aktuellen Songs ansprechende Playbacks. Ist man gewillt, ein solches Playback oder jegliches anderes Audiofile herunterzuladen, kann dies anschliessend mit 29a.ch/timestretch angepasst werden.

Szenario 1: Playback-Singen
Gehen wir davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler während ihrer Zeit auf der Sekundarstufe 1 auf eine abschliessende Performance vorbereitet werden. Dabei soll selbständig ein Song einstudiert und mit Playback vorgetragen werden. In der Vorbereitung ist mit dem vorliegenden Werkzeug die Möglichkeit gegeben, selbständig Tonart und Tempo auszuprobieren. Abgesehen davon, dass für die Lehrkraft einige Arbeitsschritte wegfallen, werden so Schülerinnen und Schüler mündig.

PS: Der Gebrauch von Playbacks kann durchaus auch kritisch hinterfragt werden. Als Pianist habe ich in meiner Tätigkeit als Musiklehrer sehr gerne Lieder vorbereitet und transponiert. Die Interaktion mit den Vortragenden hat jeweils eine sehr gute Stimmung im Klassenzimmer bewirkt. Aber zugegebenermassen lässt sich nicht jede Musik ansprechend auf einem Klavier umsetzen und die Gewöhnung an Sound-Qualitäten darf auch nicht ausser Acht gelassen werden. Aus meiner Sicht kritisch sind aber Musikstunden, wo YouTube die Vorbereitung übernimmt und kein wirkliches musikalisches Lernen mehr stattfindet im Schulzimmer.

Szenario 2: Audio-Player für selbstgesteuerte Unterrichtssequenzen
Mit einer kleinen Code-Anpassung auf einer Webseite wird es möglich, Playbacks dieser Seite direkt in das Werkzeug 29a.ch/timestretch einzuspeisen. Dies ermöglicht in der Zukunft vielfältige Aufgaben, wo die Tonhöhe einer Vorlage von zentraler Bedeutung ist. Nehmen wir z.B. eine Singaufgabe für Knaben in Mutation: Sie können sich mit dem Tool auf die Suche nach der perfekten Tonhöhe für ihren Chorus im 5-Tonraum machen. Nehmen wir als Beispiel den Chorus von Astronaut in der Aufgabe zur Stimmbeurteilung mit Peerfeedback:

Stimme aufnehmen und beurteilen
CC-BY-SA Debora Büttner, Simon Moesch & Gabriel Imthurn
Zur Aufgabe auf www.lernumgebungen.ch

Unten geht es nun genau zu dieser Aufgabe mit dem Playback, welches automatisch in das Werkzeug geladen wurde. Und hier kommt der Hack für die iOs-Geräte: die Abfrage des Audiofiles direkt von einer Webseite ermöglicht es, 29a.ch/timestretch auch auf diesen Geräten abzuspielen.

zurück zu allen Beiträgen

Kommentare

Keine Kommentare erfasst zu A29 – ein richtig tolles Instrument für den Musikunterricht

Community

Digitaler Adventskalender der PH FHNW

phkultur Musik+ koordiniert einen Adventskalender. Gestaltet wird er von Beiträgen aus Seminaren, kreativen Phasen von Studierenden und Dozierenden, sowie von Schülerinnen und Schülern. In der angespannten Lage brauchen wir Zeiten von Entspannung und Ablenkung, oder ein wenig mythologisch angehaucht, den Kuss einer Muse.

Didaktik der Musik

Diversität und Singen

Wie individuell ist Singen eigentlich? Wie nehmen wir Diversität im Musikunterricht wahr? Soll nicht gerade das Singen zu Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit führen und das Individuelle weniger betonen? Soeben ist dazu ein Podcast erschienen.

Alle News und Events
×