Didaktik der Musik

Beurteilen von Singen

Gabriel Imthurn|10. März 2020

In der Schweiz ist die Beurteilung von Singen auf der Sekundarstufe 1 alltäglich. Sobald man dies in Deutschland erwähnt, kann es gut sein, dass dies mit Körperverletzung gleichgesetzt wird.

Dieser Beitrag wurde auf Wunsch von Workshop-Teilnehmenden erstellt. Obwohl das Thema des Workshops die längerfristige Förderung und Beurteilung von gesanglichen Leistungen war, kam die Frage hoch, wie denn eine faire summative Beurteilung stattfinden könne. Die folgenden Beurteilungsraster habe ich in den letzten 20 Jahren sukzessive entwickelt. Heute ist es mir ein Anliegen, Gesang in einem längerfristigen Assessment-Prozess zu begleiten und weniger den Moment der Beurteilung in den Fokus zu nehmen. Trotzdem habe ich gute Erfahrungen gemacht, indem in bereits seit mindestens 15 Jahren die Schülerinnen und Schüler ihre Leistungen zuerst selber bewerten lasse, um anschliessend selber zu bewerten.

Raster zur Beurteilung von Gesang mit Fokus auf musikalische Leistungen

In diesem Raster stehen musikalische und sängerische Leistungen im Zentrum. Ich habe dieses Raster im progymnasialen Bereich verwendet.

  • Auswendiges Singen: 25% der Punkte werden erreicht durch auswendiges Vorsingen. Hier ist der Aspekt von Fleiss zentral. Die Erreichung der Punkte hat wenig mit musikalischen Fähigkeiten zu tun und wer die Punkte hat, sollte auch bei mageren gesangliche Leistungen auf eine genügende Bewertung kommen.
  • Rhythmik: Es wird beschrieben, wie genau der genau der Rhythmus eines Gesangsvortrags ist.
  • Intonation: Das Treffen der Töne wird in diesem Bereich in verschiedenen Stufen beschrieben.
  • Der Ausdruck kann sich sehr unterschiedlich manifestieren.

PS: ein Teil des Rasters ist meiner Biographie geschuldet. Als ausgebildeter Pianist habe ich ein sehr hilfreiches Instrument zur Hand, welches mir hilft, die Schülerinnen und Schüler herauszufordern.

Raster zur Beurteilung mit Fokus auf Förderung und Motivation

Diese Raster habe ich in den tieferen Niveaus gebraucht. Dort war es von zentraler Bedeutung, zu fördern und zu motivieren. Das sprachliche Niveau war basal, damit eine Selbstbeurteilung möglich war.

Das eine Beispiel betrifft die Beurteilung einer Aufgabe zum Einstieg in der 7. Klasse. Es musste ein Teil von Astronaut gerappt und gesungen werden. Als Zusatzaufgabe musste ein Lückentext ausgefüllt werden, wobei die Idee war, Polsterpunkte zu generieren. Das andere Beispiel zielt auf das Vorsingen eines selbstgewählten Songs ab. Je nach Song wurde der Rap-Teil, der Gesangs-Teil oder beide bewertet.

Vorgehen: Selbstbeurteilung und Fremdbeurteilung

Seit mindestens 15 Jahren konnten sich die Schülerinnen und Schüler zuerst selbst bewerten. Die Übereinstimmung mit meiner Bewertung war meist bei der zweiten Durchführung schon ziemlich hoch. Zu einem Gespräch führten jeweils schlechte Selbsteinschätzungen – Suche nach dem Grund – oder massive Selbstüberschätzungen.

Weitere Raster

Ein weiteres Raster entspricht der zweiten Form von oben, ist aber zusätzlich mit der Aufgabe, welche beurteilt wird, verknüpft.

Der Startpunkt zum der Lernumgebung Singen hat dann ein Kompetenzraster gebildet, welches einige Punkte integriert, welche jetzt ausführlich dasselbst bearbeitet werden. Das Raster ist weder validiert, noch sprachlich sehr ausgereift. Wer sich für validierte Formen von Gesangsbewertung interessiert, ist vielleicht schon über die Arbeit von Hasselhorn (2015) gestossen.

Bibliographie:

Fiedler, D. (2018). Rezension: Johannes Hasselhorn (2015). Messbarkeit musikpraktischer Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Beiträge Empirischer Musikpädagogik, 9, 1–7.
Hasselhorn, J. (2015). Messbarkeit musikpraktischer Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern: Entwicklung und empirische Validierung eines Kompetenzmodells: Vol. Band 2. Waxmann.

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